Was fressen Igel eigentlich, wenn sie nachts schnaufend durch deinen Garten ziehen? Viele denken an Äpfel, Pilze und eine Schale Milch – so zeigen es Kinderbücher seit Generationen. Die Wirklichkeit sieht anders aus, und die Milchschale kann für einen Igel sogar tödlich enden.
Als Biologe begleite ich Gärten auf dem Weg zur naturnahen Pflege, und der Igel ist dabei so etwas wie ein Gradmesser. Wo er satt wird, stimmt das Bodenleben. Wer seinen Speiseplan kennt, kann ihm gezielt helfen – meist ganz ohne Futterschale.
Was fressen Igel? Igel sind Insektenfresser und jagen vor allem Laufkäfer, Käferlarven, Raupen, Ohrwürmer, Tausendfüßer, Regenwürmer und Schnecken. Obst, Milch und Brot gehören nicht auf ihren Speiseplan. Zufüttern solltest du nur in Notzeiten, und zwar mit Katzenfeuchtfutter, ungewürztem Rührei oder gebratenem Hackfleisch sowie einer Schale Wasser.
Was fressen Igel in der Natur? Der Speiseplan des Insektenfressers
Der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus), unser heimischer Gartenigel, gehört biologisch zu den Insektenfressern. Sein Gebiss mit 36 spitzen Zähnen ist darauf ausgelegt, harte Käferpanzer zu knacken und weiche Larven zu packen. Pflanzliche Kost kann sein Verdauungssystem kaum verwerten, denn ein Blinddarm fehlt ihm.
Die Deutsche Wildtier Stiftung nennt in ihrem Igel-Porträt vor allem Laufkäfer und Schmetterlingsraupen als Hauptnahrung, ergänzt durch Regenwürmer und Schnecken. Im Detail sieht das Menü so aus:
- Käfer und Käferlarven: Laufkäfer, Mistkäfer, Maikäferlarven und Schnellkäferlarven (Drahtwürmer) machen einen großen Teil der Beute aus.
- Raupen: vor allem die Raupen von Nachtfaltern, die nachts am Boden unterwegs sind oder sich zur Verpuppung eingraben.
- Bodentiere: Ohrwürmer, Tausendfüßer, Asseln, Spinnen und Heuschrecken.
- Regenwürmer: besonders nach Regen, wenn sie an die Oberfläche kommen.
- Schnecken: Nackt- und Gehäuseschnecken, allerdings in geringerem Umfang, als viele hoffen.
- Gelegenheitsbeute: Vogeleier, Jungmäuse oder Aas, wenn sie sich zufällig anbieten.
Der Speiseplan im Jahreslauf
Was fressen Igel zu welcher Jahreszeit? Das hängt davon ab, welche Beute gerade aktiv ist. Im Frühjahr stehen Regenwürmer und die ersten Laufkäfer auf dem Speiseplan. Im Sommer kommen Raupen, Heuschrecken und Käfer hinzu, das Futter ist dann am reichlichsten. Im Herbst sucht der Igel verstärkt in Laub, Kompost und Fallobst nach Larven, Würmern und Schnecken, um seine Fettreserven aufzufüllen.
Für deinen Gemüsegarten ist der Igel deshalb ein willkommener Helfer. Er frisst Drahtwürmer, Maikäferlarven und Raupen, die an Salat, Kohl und Kartoffeln Schäden anrichten.
Obst und Pilze: ein hartnäckiger Mythos
Igel fressen kein Obst im eigentlichen Sinn. Wenn du einen Igel am Fallobst schnüffeln siehst, sucht er nach den Maden, Würmern und Käfern darin. Auch das Bild vom Igel mit dem Apfel auf dem Rücken stammt aus der Märchenwelt. Fruchtfleisch und Zucker belasten seine Verdauung.
Schnecken: nützlich, aber nicht ohne Risiko
Igel vertilgen zwar Schnecken, sind aber keine zuverlässige Schneckenpolizei. Nacktschnecken übertragen zudem Lungen- und Darmparasiten, die geschwächte Igel stark belasten. Ein Igel, der fast nur Schnecken findet, ist deshalb kein Zeichen eines guten Gartens, sondern eines Mangels an Käfern und Raupen.

Wie Igel auf Nahrungssuche gehen
Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv. Sie verlassen ihr Tagesversteck kurz nach Sonnenuntergang und streifen dann stundenlang umher. Dabei legen sie oft mehr als einen Kilometer pro Nacht zurück. Ihre Augen sind schwach, doch ihr Geruchssinn ist hervorragend: Sie riechen Käferlarven auch einige Zentimeter tief im Boden.
Der Jahreslauf bestimmt, wie viel ein Igel fressen muss. Nach dem Winterschlaf im März oder April ist er abgemagert und braucht rasch Eiweiß. Im Spätsommer und Herbst frisst er sich dann eine Fettschicht an. Laut Deutscher Wildtier Stiftung sucht er bis etwa Mitte November nach Nahrung und schläft dann rund fünf Monate, bis März.
Ausgewachsene Igel wiegen je nach Jahreszeit zwischen 350 und 1.500 Gramm. Wie viel Fett ein Tier vor dem Winter angesetzt hat, siehst du an seiner Form. Ein gut genährter Igel wirkt birnenförmig, hinten breiter als vorn. Ein abgemagerter Igel ist länglich, hat eingefallene Flanken und eine deutliche Einbuchtung hinter dem Kopf, den sogenannten Hungerknick.
Igel füttern: Wann Zufütterung sinnvoll ist
Ein gesunder Igel in einem naturnahen Garten braucht kein Futter von dir. Im Gegenteil: Ständige Zufütterung lockt mehrere Igel auf engen Raum, fördert die Übertragung von Parasiten und kann den Rhythmus vor dem Winterschlaf stören. Das Verbrauchermagazin ÖKO-TEST fasst die Empfehlungen von Igelschützern in seinem Ratgeber zum Igel füttern zusammen.
Sinnvoll ist eine vorübergehende Hilfe in diesen Situationen:
- Spätherbst: für spät geborene Jungigel, die bis in den November hinein zu leicht sind, sowie für Weibchen, die eine späte Jungenaufzucht hinter sich haben.
- Winter: für einen abgemagerten Igel, der bei Temperaturen unter sechs Grad noch aktiv ist.
- Frühjahr: nur bei Kälteeinbrüchen mit gefrorenem Boden kurz nach dem Aufwachen.
- Sommer: bei Hitze und Trockenheit reicht eine flache Schale Wasser.
Als grobe Orientierung nennen viele Igelstationen ein Gewicht von etwa 500 Gramm, das ein Jungigel vor dem Winterschlaf erreichen sollte. Entscheidend ist aber immer die Gesamtverfassung des Tieres. Sobald der Igel genug Gewicht hat oder sich das Wetter bessert, reduzierst du die Menge schrittweise.
Was fressen Igel bei der Zufütterung? Geeignetes Igelfutter
Wenn du zufütterst, orientierst du dich am natürlichen Speiseplan: viel tierisches Eiweiß, etwas Fett, kaum Kohlenhydrate. Bewährt haben sich:
- Katzenfeuchtfutter mit hohem Fleischanteil, ohne Soße, Gelee oder Getreidezusätze. Es bildet die Grundlage.
- Ungewürztes, durchgegartes Hackfleisch, kurz in etwas Pflanzenöl angebraten.
- Ungesalzenes, hart gekochtes Ei oder Rührei ohne Milch und Gewürze.
- Haferflocken oder Weizenkleie als kleine Beimischung, nie als alleinige Mahlzeit.
Für abgemagerte Igel nennt ÖKO-TEST eine einfache Mischung des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz: 100 Gramm Katzenfeuchtfutter, verrührt mit zwei Esslöffeln Haferflocken oder Weizenkleie. Stelle das Futter in der Dämmerung bereit und räume Reste am nächsten Morgen weg.
Futterstation, die nur Igel erreichen
Offen hingestelltes Futter frisst meist die Nachbarskatze oder lockt Ratten an. Eine einfache Futterstation verhindert das:
- Nimm eine stabile Kunststoff- oder Holzkiste von etwa 30 mal 40 Zentimetern mit Deckel.
- Schneide in eine Seitenwand eine Öffnung von zehn mal zehn Zentimetern. Durch dieses Loch passt ein Igel, eine Katze in der Regel nicht.
- Klebe innen hinter der Öffnung eine Trennwand ein, sodass ein kurzer Gang entsteht. Er hält Katzenpfoten zusätzlich fern.
- Stelle die Futterschale in den hinteren Teil und lege Zeitungspapier darunter.
- Beschwere den Deckel mit einem Ziegelstein und platziere die Kiste an einem ruhigen, geschützten Ort.
- Reinige Schale und Kiste täglich mit heißem Wasser, damit sich keine Krankheiten ausbreiten.

Was Igel nicht fressen dürfen
Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Einige Lebensmittel schaden Igeln nachweislich, auch wenn sie sie gierig fressen:
- Milch und Milchprodukte: Igel vertragen keinen Milchzucker. Kuhmilch löst schwere Durchfälle aus, die geschwächte Tiere nicht überleben. Das gilt auch für Käse, Quark und Joghurt.
- Obst, Trockenfrüchte und Gemüse: Igel können sie kaum verdauen. Rosinen und Bananen führen zu Blähungen und Durchfall.
- Nüsse und Kerne: Erdnüsse, Sonnenblumenkerne und Nüsse enthalten viel Phosphor und wenig Kalzium. Regelmäßig gefressen, stören sie den Knochenstoffwechsel.
- Speisereste: Gewürztes, Gesalzenes, Wurst, Brot und Süßes gehören nie in die Igelschale.
- Spezielles Igeltrockenfutter und Hundefutter: Viele Mischungen enthalten Obst, Gemüse und Getreide. Igelschützer raten deshalb davon ab.
Ein Sonderfall ist dein Vogelhaus. Igel bedienen sich nachts gern an heruntergefallenen Sonnenblumenkernen und Erdnüssen. Kehre unter der Futterstelle regelmäßig zusammen – mehr dazu im Beitrag Vogelhaus.
Zum Trinken bekommt der Igel ausschließlich Wasser in einer flachen, schweren Schale. Wechsle es täglich, im Winter auch mehrmals, damit es nicht gefriert.
Wasserstellen sicher gestalten
Igel können schwimmen, kommen aber an steilen Ufern nicht mehr aus dem Wasser. Gartenteiche, Pools und Regentonnen werden so zur Falle. Lege an jedem Teich eine flache Uferzone oder ein schräges Brett als Ausstiegshilfe an und decke Regentonnen mit einem Deckel ab. Eine flache Tränke mit einem Stein in der Mitte nutzen Igel, Vögel und Insekten gleichermaßen.
Notfall: Igel gefunden – so hilfst du richtig
Nicht jeder Igel, den du siehst, braucht Hilfe. Ein Igel, der in der Dämmerung durch den Garten läuft, ist völlig normal. Igel sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Du darfst ein Tier nur aufnehmen, wenn es verletzt, krank oder hilflos ist, und musst es freilassen, sobald es sich wieder selbst versorgen kann.
Hilfe braucht ein Igel, wenn er:
- tagsüber umherläuft, torkelt oder apathisch in der Sonne liegt,
- sichtbar verletzt ist, etwa durch einen Mähroboter oder ein Auto,
- abgemagert ist, mit Hungerknick und eingefallenen Flanken,
- von Fliegeneiern oder Maden befallen ist,
- bei Schnee und Dauerfrost unterwegs ist,
- als Jungtier allein und ohne Mutter umherirrt, nachdem du ihn eine Weile beobachtet hast.
So gehst du bei einem hilfsbedürftigen Igel vor:
- Nimm den Igel mit dicken Handschuhen oder einem Handtuch auf.
- Setze ihn in einen hohen Karton, ausgelegt mit Zeitungspapier und einem alten Handtuch als Versteck.
- Ist er kalt, lege eine handwarme Wärmflasche, in ein Tuch gewickelt, so in den Karton, dass der Igel ausweichen kann.
- Biete eine flache Schale Wasser an, niemals Milch. Futter erst, wenn das Tier warm ist.
- Rufe noch am selben Tag eine Igelstation oder eine Tierarztpraxis an und besprich das weitere Vorgehen.
- Lass den Igel nach der Genesung dort frei, wo du ihn gefunden hast.
Versuche nicht, Verletzungen, Parasiten oder Fliegenmaden selbst zu behandeln. Das gehört in fachkundige Hände.
Igelbabys im Nest gefunden
Igel bringen ihre Jungen meist zwischen Juni und September zur Welt. Die Kleinen öffnen erst nach rund zwei Wochen die Augen und verlassen das Nest mit etwa drei bis vier Wochen. Hast du beim Gärtnern versehentlich ein Nest freigelegt, deckst du es sofort wieder mit Laub und Reisig ab und entfernst dich. Die Mutter kehrt meist zurück.
Beobachte das Nest aus der Ferne, ohne es erneut zu öffnen. Nur wenn die Jungen über Stunden allein bleiben, rufen oder auskühlen, brauchen sie Hilfe. Füttere Igelbabys nie selbst: Sie benötigen spezielle Aufzuchtmilch und eine Pflege rund um die Uhr, die nur eine Igelstation leisten kann.

Igelfreundlicher Garten: Natürliche Nahrung statt Futterschale
Die beste Igelhilfe ist ein Garten, in dem Igel genug Insekten finden. Laut einer Mitteilung der Universität Hamburg zur Igelforschung stuft die Weltnaturschutzunion IUCN den Braunbrustigel inzwischen als potenziell gefährdet ein. In Deutschland steht er auf der Vorwarnliste. Gärten sind für ihn längst ein wichtiger Ersatzlebensraum.
So deckst du den Tisch auf natürliche Weise:
- Laub liegen lassen: Unter Hecken und in Beeten leben im Laub genau die Käfer, Asseln und Larven, die Igel fressen. Gleichzeitig entsteht dort ihr Winterquartier. Wie das funktioniert, erklärt der Ratgeber Laub liegen lassen.
- Totholz und Reisig: Ein Haufen aus Ästen bietet Unterschlupf und Nahrung zugleich. Eine Anleitung findest du im Beitrag Totholzhecke.
- Kompost: Im Komposthaufen wimmelt es von Würmern und Insekten. Setze ihn im Herbst nicht mehr um, denn Igel überwintern gern darin. Mehr dazu unter Kompost anlegen.
- Kein Gift: Schneckenkorn und Insektizide vergiften die Beutetiere und damit auch den Igel.
- Mähroboter nur tagsüber: Nachts verletzen sie Igel schwer, die sich bei Gefahr einrollen statt zu flüchten.
- Durchgänge: Eine Lücke von etwa 13 mal 13 Zentimetern im Zaun verbindet Gärten und vergrößert das Jagdrevier.
Heimische Blühpflanzen und Sträucher locken zusätzlich Nachtfalter und Käfer an, deren Raupen und Larven später am Boden landen. Je vielfältiger dein Garten, desto reicher ist der Speiseplan des Igels.
Häufige Fragen: Was fressen Igel?
Was fressen Igel am liebsten?
Am liebsten fressen Igel Laufkäfer, Käferlarven und Schmetterlingsraupen. Dazu kommen Ohrwürmer, Tausendfüßer, Regenwürmer, Spinnen und gelegentlich Schnecken. Als Insektenfresser brauchen sie viel tierisches Eiweiß. Obst und andere pflanzliche Nahrung können sie dagegen kaum verdauen, auch wenn sie manchmal am Fallobst nach Maden suchen.
Warum dürfen Igel keine Milch trinken?
Igel vertragen keinen Milchzucker, weil ihnen das Enzym zur Verdauung fehlt. Kuhmilch verursacht deshalb starke Durchfälle, die vor allem geschwächte und junge Igel schnell austrocknen und töten können. Stelle Igeln ausschließlich frisches Wasser in einer flachen, schweren Schale hin und wechsle es täglich.
Welches Futter kann ich Igeln im Herbst geben?
Bewährt hat sich Katzenfeuchtfutter mit hohem Fleischanteil ohne Soße oder Gelee. Ergänzen kannst du ungewürztes Rührei, hart gekochtes Ei oder angebratenes Hackfleisch ohne Gewürze. Etwas Haferflocken oder Weizenkleie darfst du untermischen. Füttere nur bei Bedarf, etwa für zu leichte Jungigel, und biete immer Wasser an.
Wann braucht ein Igel Hilfe?
Ein Igel braucht Hilfe, wenn er tagsüber umherläuft, torkelt oder apathisch wirkt, wenn er verletzt oder abgemagert ist oder Fliegeneier im Fell hat. Auch bei Schnee und Dauerfrost aktive Igel sind gefährdet. Nimm ihn behutsam auf, halte ihn warm und kontaktiere noch am selben Tag eine Igelstation oder Tierarztpraxis.
Wie lange sollte ich einen Igel zufüttern?
Füttere nur so lange zu, bis der Notfall vorbei ist. Ein Jungigel sollte vor dem Winterschlaf ausreichend Gewicht haben, viele Igelstationen nennen etwa 500 Gramm als Orientierung. Danach reduzierst du die Menge schrittweise. Im Frühjahr hilfst du nur kurz bei gefrorenem Boden, damit der Igel wieder selbst auf Nahrungssuche geht.
