Naturgarten

Laub liegen lassen: Warum Igel davon profitieren

Herbstlaub ist kein Abfall, sondern Winterquartier und Nahrungsquelle. Warum Igel auf Laubhaufen angewiesen sind und wie Sie richtig damit umgehen.

Pflegen

Zeitraum: Oktober, NovemberJFMAMJJASOND

Tobias Hahn

16. Oktober 2026

4 Min. Lesezeit

Igel auf trockenem Laub

Im Oktober und November fällt in vielen Gärten mehr Laub an, als manchen lieb ist. Doch wer es nicht vollständig entfernt, tut der Tierwelt einen großen Gefallen. Für den Igel (Erinaceus europaeus) ist Laub gleich doppelt wichtig: Er nutzt es als Baumaterial für sein Winternest, und unter der Laubschicht findet er Käfer, Larven, Regenwürmer und andere Insekten, die er vor dem Winterschlaf dringend als Nahrung braucht.

Wie Igel den Winter verbringen

Igel halten einen echten Winterschlaf. Je nach Witterung ziehen sie sich zwischen Ende Oktober und Dezember in ihr Nest zurück, Jungtiere oft etwas später als ausgewachsene Männchen. Während des Winterschlafs sinkt ihre Körpertemperatur von etwa 35 °C auf wenige Grad über der Umgebungstemperatur, Herzschlag und Atmung verlangsamen sich stark. Die Tiere leben in dieser Zeit von den Fettreserven, die sie im Herbst angelegt haben. Erst im März oder April, wenn es dauerhaft milder wird, wachen sie auf.

Das Winternest muss gut isolieren und trocken bleiben. Igel bauen es aus vielen Schichten Laub, die sie zusammentragen und durch Drehbewegungen verdichten. Ideal sind geschützte Plätze unter Hecken, Reisighaufen, Holzstapeln oder dichten Sträuchern. Ein aufgeräumter Garten ohne Laub bietet dafür kaum Möglichkeiten.

Wo Laub liegen bleiben darf und wo nicht

Laub muss nicht überall liegen bleiben. Auf manchen Flächen schadet eine dicke Schicht mehr, als sie nützt. Eine sinnvolle Aufteilung sieht so aus:

  • Unter Hecken und Sträuchern: Laub liegen lassen. Es schützt den Boden, wird von Bodenlebewesen zersetzt und bietet Unterschlupf.
  • Auf Staudenbeeten: Eine lockere Schicht von 5 bis 10 Zentimetern schützt den Boden vor Frost und Austrocknung.
  • Auf dem Rasen: Laub entfernen, da eine geschlossene Schicht dem Gras das Licht nimmt und Fäulnis und Moos fördert. Rechen Sie es in die Beete oder unter Gehölze.
  • Auf Wegen und Treppen: Laub entfernen, da nasse Blätter rutschig sind.
  • Laub kranker Pflanzen: Blätter mit Apfelschorf, Sternrußtau an Rosen oder Befall durch die Rosskastanien-Miniermotte gehören nicht auf den Laubhaufen, sondern in die Biotonne.

Verzichten Sie möglichst auf Laubbläser und Laubsauger. Sie wirbeln Insekten, Spinnen und Kleintiere mit auf oder saugen sie ein und töten sie. Rechen und Besen sind leiser und schonender.

Einen Laubhaufen für Igel anlegen

Ein gezielt angelegter Laubhaufen ist eine einfache und wirksame Hilfe. So gehen Sie vor:

  1. Einen ruhigen, schattigen und windgeschützten Platz wählen, etwa unter einer Hecke oder in einer Gartenecke, die im Winter nicht betreten wird.
  2. Als Basis einige dickere Äste kreuzweise auslegen. Sie schaffen Hohlräume und halten den Haufen von unten trocken.
  3. Laub locker auf eine Fläche von etwa 1 Meter Durchmesser und eine Höhe von 50 bis 100 Zentimetern aufschichten.
  4. Reisig oder dünne Zweige obenauf legen, damit der Wind das Laub nicht verweht.
  5. Den Haufen bis Ende April nicht mehr bewegen oder umsetzen.

Laub von Eiche, Buche und Walnuss zersetzt sich langsam und bleibt deshalb lange locker. Es eignet sich gut für Igelquartiere. Statt eines Laubhaufens kann auch ein Reisighaufen oder eine Totholzhecke als Unterschlupf dienen, die mit Laub ausgepolstert ist.

Igel richtig helfen und typische Fehler vermeiden

Der wichtigste Grundsatz lautet: Geben Sie Igeln niemals Milch. Igel vertragen keinen Milchzucker, Milch verursacht schwere Durchfälle, die für die Tiere lebensbedrohlich sein können. Auch Obst, Brot oder gewürzte Essensreste sind ungeeignet. Stellen Sie stattdessen in trockenen Phasen eine flache Schale mit frischem Wasser auf.

Gesunde, ausreichend schwere Igel finden im naturnahen Garten genug Nahrung und benötigen keine Fütterung. Ein Jungigel braucht vor dem Winterschlaf ein Gewicht von etwa 500 bis 600 Gramm, um ihn sicher zu überstehen. Wenn Sie im November ein deutlich leichteres, tagsüber umherirrendes, verletztes oder apathisches Tier finden, wenden Sie sich an eine Igelstation oder eine Tierarztpraxis. Igel sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt und dürfen nur vorübergehend aufgenommen werden, wenn sie tatsächlich hilfsbedürftig sind.

Weitere Gefahren lassen sich leicht vermeiden:

  • Mähroboter nur tagsüber und nie in der Dämmerung oder nachts betreiben.
  • Laub- und Komposthaufen vor dem Umsetzen vorsichtig mit den Händen prüfen, nicht einfach mit der Grabgabel hineinstechen.
  • Gartenteiche mit einer flachen Uferzone oder einem Ausstiegsbrett versehen.
  • Durchlässe von etwa 13 mal 13 Zentimetern in Zäunen schaffen, damit Igel zwischen Gärten wandern können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Igel nutzen Laub als Nestmaterial und finden darunter Insekten als Nahrung.
  • Laub unter Hecken, Sträuchern und auf Beeten liegen lassen, vom Rasen und von Wegen entfernen.
  • Ein Laubhaufen von etwa 1 Meter Durchmesser an einem ruhigen Platz bietet ein Winterquartier.
  • Den Haufen bis Ende April nicht stören und auf Laubbläser verzichten.
  • Igel nie mit Milch füttern, nur Wasser anbieten und geschwächte Tiere zur Igelstation bringen.
Aufgeschichtete Äste und Stämme am Boden

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