Frische Kräuter auch im Winter zu ernten, ist mit etwas Planung möglich. Doch nicht jedes Kraut gehört im Herbst ins Haus. Thymian, Salbei, Oregano und Minze sind in Mitteleuropa winterhart und überstehen die kalte Jahreszeit im Beet oft besser als in der warmen Wohnung. Auf die Fensterbank gehören vor allem frostempfindliche Arten und Kräuter, die Sie im Winter weiter ernten möchten.
Welche Kräuter ins Haus gehören
Grundsätzlich lassen sich drei Gruppen unterscheiden:
- Mediterrane, nur bedingt frostharte Kräuter wie Rosmarin und Lorbeer: Sie wollen hell und kühl überwintern.
- Wärmeliebende Kräuter wie Basilikum: Sie vertragen keine Temperaturen unter etwa 10 °C und gehören in einen warmen, sehr hellen Raum.
- Heimische, winterharte Kräuter wie Schnittlauch und Petersilie: Sie können draußen bleiben, lassen sich aber im Haus antreiben, um frische Blätter zu ernten.
Zitronenverbene verliert im Winter ihre Blätter und lässt sich bei 5 bis 10 °C auch an einem dunkleren Platz überwintern. Sie treibt im Frühjahr wieder aus.
Rosmarin und Lorbeer: hell und kühl
Rosmarin übersteht leichte Fröste, im Topf ist er jedoch gefährdet, weil der Wurzelballen schnell durchfriert. Ideal ist ein heller Standort bei 5 bis 10 °C, etwa ein unbeheiztes Treppenhaus, ein kühles Schlafzimmer oder ein frostfreier Wintergarten. In einem warmen Wohnzimmer mit 20 °C und trockener Heizungsluft verliert Rosmarin häufig Nadeln oder wird von Spinnmilben befallen.
Ein häufiger Fehler ist zu sparsames Gießen. Rosmarin gilt als trockenheitsverträglich, darf im Topf aber nie vollständig austrocknen. Ein ausgetrockneter Ballen erholt sich oft nicht mehr. Gießen Sie, wenn die oberen 2 Zentimeter der Erde trocken sind, und leeren Sie den Untersetzer nach 15 Minuten. Lorbeer stellt ähnliche Ansprüche und verträgt Temperaturen zwischen 2 und 10 °C.
Basilikum: warm und so hell wie möglich
Basilikum ist meist einjährig und reagiert empfindlich auf Kälte und Lichtmangel. Auf der Fensterbank braucht es 15 bis 20 °C und den hellsten Platz, den Sie bieten können, am besten ein Südfenster. Strauchbasilikum lässt sich unter diesen Bedingungen über mehrere Jahre halten, einjährige Sorten werden im Winter dagegen meist schwach.
Zwischen November und Februar reicht das Tageslicht in Deutschland selbst am Südfenster oft nicht aus. Eine Pflanzenlampe, die 12 bis 14 Stunden täglich in 20 bis 30 Zentimetern Abstand über den Pflanzen leuchtet, verhindert lange, weiche Triebe. Gießen Sie Basilikum morgens und von unten über den Untersetzer, damit die Blätter trocken bleiben.
Schnittlauch und Petersilie antreiben
Schnittlauch braucht einen Kältereiz, bevor er im Haus neu austreibt. So gehen Sie vor:
- Im Oktober einen kräftigen Horst ausgraben und mit dem Spaten in faustgroße Stücke teilen.
- Die Teilstücke in Töpfe mit 12 bis 15 Zentimetern Durchmesser setzen und draußen stehen lassen, bis sie einige Frostnächte erlebt haben.
- Die Töpfe dann ins Haus holen und bei 15 bis 20 °C hell aufstellen.
- Nach etwa drei bis vier Wochen können Sie die ersten Halme ernten.
Wer mehrere Töpfe vorbereitet und im Abstand von einigen Wochen hereinholt, kann über den ganzen Winter ernten.
Petersilie ist zweijährig und winterhart. Im Topf auf der Fensterbank wächst sie bei 10 bis 15 °C an einem hellen Platz weiter. Säen Sie dafür am besten schon im Spätsommer, denn die Pflanzen sollten im Oktober bereits gut entwickelt sein.
Typische Probleme vermeiden
Die Fensterbank über einer Heizung ist für Kräuter ein schwieriger Standort. Warme, trockene Luft von unten fördert Spinnmilben und Blattläuse, während das Licht im Winter schwach bleibt. Eine Holz- oder Korkplatte unter den Töpfen mindert die Hitze von unten. Zusätzlich können Sie Schalen mit Wasser in der Nähe aufstellen, um die Luftfeuchtigkeit etwas zu erhöhen.
Ernten Sie im Winter zurückhaltend. Da die Pflanzen langsamer wachsen, sollten Sie nie mehr als ein Drittel der Blätter auf einmal abschneiden. Gedüngt wird in dieser Zeit nicht oder nur sehr schwach, bei Basilikum unter Pflanzenlampe etwa alle vier Wochen mit halber Dosis eines organischen Flüssigdüngers.
Ab April gewöhnen Sie Rosmarin und Lorbeer schrittweise wieder an das Freiland. Basilikum darf erst nach Mitte Mai hinaus, wenn die Nächte dauerhaft über 10 °C bleiben.
Das Wichtigste in Kürze
- Thymian, Salbei, Oregano und Minze sind winterhart und können meist draußen bleiben.
- Rosmarin und Lorbeer stehen hell bei 5 bis 10 °C und dürfen nie ganz austrocknen.
- Basilikum braucht 15 bis 20 °C und im Winter meist eine Pflanzenlampe mit 12 bis 14 Stunden Licht.
- Schnittlauch erst Frost aussetzen, dann im Haus antreiben, Ernte nach drei bis vier Wochen.
- Nicht über der Heizung platzieren und höchstens ein Drittel der Blätter ernten.
